«Lernen mit Krebs zu leben»

Dr. med. Andreas Hochstrasser (FMH Medizinische Onkologie, FMH Allgemeine Innere Medizin), Leitender Arzt Onkologie Zentrum, steht heute im Fokus unserer AVAC Themenreihe.

Zum Hauptthema des aktuellen Abends "Medikamentöse Tumortherapien und Nebenwirkungen der Therapien" beantwortet Herr Dr. med. Andreas Hochstrasser nachstehende Fragen folgendermassen:

 

 

 

1. "Was erhoffen Sie sich, was die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Ihrem Referat mit nach Hause nehmen?"

"Die Teilnehmenden konnten in einer kurzen Übersicht die möglichen Therapiearten kennenlernen. Das Thema ist sehr breit und fast täglich werden bahnbrechende Neuigkeiten publik, weshalb bereits die wesentlichsten Grundlagen der medikamentösen Tumortherapien viel an Informationen bedeuten. Als Aufhänger für den Vortrag habe ich eine Spitalapotheke aus einem Land mit wenig finanziellen Ressourcen gezeigt. Ein Ziel des Referats war, aufzuzeigen, dass unsere Gesundheitsversorgung mit Zugang zu den besten und neuesten Medikamenten ein Privileg ist und auch durch die modernsten Therapien deutliche Grenzen in der Bekämpfung von Tumoren aufgezeigt werden."

2. "Was hat Sie am heutigen Abend speziell berührt?"

"Dies war mein 4. Abend an einem AVAC-Kurs während den letzten 3 Jahren. Auch diesmal war ich wieder berührt von der Offenheit und dem Wissensdurst der Teilnehmenden. Ganz besonders fielen mir die teils ermutigenden Gespräche unter den Teilnehmenden während  der Diskussionsrunde und in den Pausen auf. Erneut war ich positiv überrascht, dass auf die Frage nach einer Assoziation von «Medikamentöse Tumortherapie», neben den erwarteten Voten wie «Haarausfall» oder «Übelkeit», auch schöne Assoziationen wie «befreiende Ruhe», «wunderschöne Aussicht» oder «sehr nettes Personal» fielen."

3. "Wie sieht Ihr Fachgebiet in 10 Jahren aus?"

" Ich sehe in der Onkologie in Zukunft 3 zentrale Aspekte:

Bei der «Personalized Medicine» geht es darum, dass die Tumore immer mehr auf (nicht vererbbare) genetische Veränderungen, sogenannte Driver-Mutationen, untersucht und dementsprechend zielgerichtet therapiert werden. Hier werden wir Onkologen angesichts der gigantischen Daten- und Wissensmenge in Zukunft für die Therapieauswahl stark durch elektronische Hilfsmittel unterstützt werden. So kann jedem Patienten, unter Einbezug aller Tumor-Fakten, eine noch besser massgeschneiderte Therapie angeboten werden, mit dem Ziel einer noch besseren Verträglichkeit und Wirksamkeit.

Wir wissen, dass die Arzt- und auch Pflege-Patientenbeziehung für einen optimalen medizinischen Verlauf entscheidend ist. In 10 Jahren wird der von Krebs betroffene Mensch mit seinem sozialen Umfeld weiterhin im Mittelpunkt stehen und die Kontakte von Arzt und Pflegenden zum Patienten werden einen weiterhin entscheidenden Stellenwert haben.

Als dritten Punkt haben wir es aufgrund von vielen sehr wirksamen, neuen und teuren Tumortherapien mit rasch steigenden Kosten in der Onkologie und im Gesundheitswesen zu tun. Hier sind die Politik und Wirtschaftsverbände/Pharmafirmen, aber auch wir Ärzte/Pflegende und alle in der Schweiz lebenden Menschen als potenzielle Patienten gefordert, die Kostenentwicklung proaktiv zu thematisieren und gemeinsam konstruktive Lösungen zu finden."

 

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Nicole Mändli