Hirnschlag - jede Minute zählt

Dr. med. Achim Mallmann erklärt, warum beim Hirnschlag jede Minute zählt und welche Aufgaben der Neurologe im Hirnschlagteam übernimmt.

Neurologie ist das medizinische Fach, das sich mit Erkrankungen des Nervensystems beschäftigt. Oft sind dies chronischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Epilepsie oder Morbus Parkinson. Aber auch eine ganz akute Erkrankung wird von Neurologen behandelt: der Hirnschlag.

Hier zählt jede Minute, denn unser Gehirn ist das Organ, das am empfindlichsten auf die Unterbrechung der Durchblutung und damit Versorgung mit Nährstoffen reagiert. Schon nach wenigen Minuten sterben Hirnzellen ab, zum Beispiel wenn ein Gerinnsel eine zuführende Ader verstopft. Deshalb muss schnellstens reagiert werden.

Über die Jahre hat sich ein sehr effektives Zusammenspiel von Rettungsdiensten, Notfallstationen, Radiologen, Internisten und eben Neurologen etabliert. Was ist nun die Aufgabe des Neurologen im Hirnschlagteam?

Erstens gilt es, den Hirnschlag von anderen akuten Erkrankungen des Gehirns abzugrenzen, wozu die schnelle Bildgebung des Radiologen mittels Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRI) einen wichtigen Beitrag leistet, aber auch der klinische Sachverstand des Hirnspezialisten erforderlich ist.

Eine weitere wichtige Aufgabe ist die „neurovaskuläre Diagnostik“, also die Untersuchung der hirnversorgenden Schlagadern mittels Ultraschall. Im Gegensatz zu anderen Methoden, zum Beispiel mittels CT oder MRI, sehen die Neurologen nicht nur die Gefässe und ihre morphologischen Veränderungen wie Ablagerungen, Engstellen oder Verschlüsse.

Sie beachten zusätzlich die funktionellen Auswirkungen der Veränderungen auf die Hirndurchblutung und die Effektivität von körpereigenen Umgehungskreisläufen, die Verschlussprozesse zum Teil sehr effektiv kompensieren können. Damit lässt sich einschätzen, ob bei einem Patienten eine Operation oder ein Katheterverfahren erforderlich ist, um das Gefäss wieder „frei“ zu bekommen oder ob medikamentöse Massnahmen erfolgsversprechender sind.

Das geht natürlich nicht nur in der Akutversorgung der Hirnschlagpatienten, sondern auch im Rahmen der Vorsorge (Prävention) bei unseren ambulanten Patienten. Dafür sind wir mit modernsten Ultraschallgeräten ausgerüstet und über viele Jahre erfahren in dieser diagnostischen Disziplin.

Bei bereits bekannter Gefässkrankheit (zum Beispiel nach Herzinfarkt oder bei Durchblutungsstörungen der Beine, sog. „Schaufensterkrankheit“) oder wenn viele Gefässrisikofaktoren wie Bluthochdruck, hohes Cholesterin, Diabetes mellitus oder Nikotinkonsum bestehen, finden wir nicht selten auch relevante Veränderungen an den Hals- und Hirnschlagadern. Dann können wir durch gezielte Behandlung helfen, dass daraus kein Hirnschlag entsteht.

Wichtig ist uns auch der interdisziplinäre Ansatz in der Hirnschlagmedizin, das heisst die enge Zusammenarbeit mit den anderen medizinischen Disziplinen. Dadurch kann jedes Fachgebiet und jeder Spezialist sein Wissen und Können für das bestmögliche Behandlungsergebnis einbringen. Zudem arbeiten wir eng mit den grossen Schlaganfallzentren in der Region zusammen, sodass unsere Patienten vom Knowhow der Zentrumsspitäler profitieren können – denn jede Minute zählt!

Dr. med. Achim Mallmann ist Facharzt für Neurologie FMH und gehört zum Team der am Spital Männedorf ansässigen Praxis "Neurologen am Zürichsee".