Hero unser Therapiehund

Wenn Tiere Menschen helfen.

Wuff, wuff, hallo!

Mein Name ist Hero und ich bin ein Zwergpudel. Seit Juni dieses Jahres arbeite ich im Spital Männedorf als Therapiehund der Palliative-Station. Ich wohne bei der Familie Haller in Hombrechtikon und habe somit einen kurzen Arbeitsweg. Meine Arbeitskleidung unterscheidet sich wesentlich von derjenigen der restlichen Spitalmitarbeitenden. Ich  trage ein rotes Hundegeschirr um den Rumpf, ein Halsband und eine goldene Plakette mit der Aufschrift „Therapiehund“. Somit weiss jeder, dass ich im Spital erwünscht bin, im Gegensatz zu anderen Vierbeinern.

Heute Morgen klingelte bei meinem Frauchen, Mia Haller, das Telefon. Eine Pflegefachperson des Spitals war am Apparat. Eine Patientin auf der Palliativ Station wünscht sich, dass ich sie besuchen komme. Bevor es zur Arbeit geht, wäscht mir meine Besitzerin die Pfoten, kämmt mein Fell und säubert meine Augen, Ohren und die Schnauze. Da ich zu einer Rasse gehöre, welche überhaupt nicht haart, passe ich perfekt ins Spital – ich halte mich an die Spitalhygiene. Zudem freuen sich auch Allergiker über meine Anwesenheit. 

Sobald sich meine Halterin das blaue T-Shirt überzieht, weiss ich ganz genau, was zu tun ist – die Arbeit ruft! Schnell renne ich das Treppenhaus hinunter zur Garage und warte vor dem Auto.

Langsam betrete ich das Patientenzimmer mit meiner Chefin im Schlepptau. Verschiedenste Gerüche steigen mir in die Nase. Es riecht nach Desinfektionsmittel, Wiesenblumen, Körperlotion und Lavendel. Ich rieche aber auch Angst, Angst vor dem Sterben, Angst loszulassen – Resignation und Trauer.

Neugierig und schwanzwedelnd laufe ich zum Bett und schaue zur Patientin hoch. Wer liegt denn da? Bevor ich hoch springe, blicke ich zu Mia und warte auf ihr Zeichen. Sie legt ein rotes Badetuch auf das Bett und ich hüpfe drauf. Ganz vorsichtig bewege ich mich zur Frau und warte ab, wie sie reagiert. Sie sieht mich an, streckt mir eine Hand entgegen und ich gehe langsam zu ihr hin. Mich überkommt das Bedürfnis der Patientin Nähe und Zuneigung zu geben. Ich schmiege mich an sie und lege den Kopf auf ihre Brust. Sanft streichelt sie mir meinen Rücken. Ihre Hände kraulen wohltuend. Wenn ich könnte, würde ich schnurren, wie eine Katze. Wir entspannen uns beide. Ihre Atmung wird ruhiger und oops… Sie ist eingeschlafen.

Während dieser intimen Zeit muss ich nie Angst haben, dass mir jemand unabsichtlich weh tut. Meine Chefin schaut genau hin und ist immer ganz nah bei mir. Sollte es mir dennoch unwohl sein, so signalisiere ich das mit einem „Züngeln“ oder ich drehe mich einfach weg. Mia reagiert jeweils blitzschnell und weiss dass ich mich ausruhen möchte.  

Bei sterbenden Menschen reagiere ich sehr sensibel. Meine Nase nimmt Gerüche wahr, die mich teilweise verunsichern. Um mir Sicherheit und Halt zu geben, nimmt mich Mia in den Arm und legt mir eine Hand auf den Brustkorb. Zusammen sind wir dann ganz nah bei der Patientin oder dem Patienten.

Mia und ich sind ein eingespieltes Duo. Wir haben eine sehr enge Bindung zueinander und verstehen uns auch ohne Worte. Das gegenseitige Vertrauen macht uns zu einem einfühlsamen Team.

Gemeinsam bringen wir den Patientinnen und Patienten ein wenig Freude in den Spitalalltag. Und wenn es uns gelingt, ihnen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, dann sind wir uns einig: Wir haben den besten Job der Welt!

„ICH habe den besten Job der Welt!“

Euer Hero,
Therapiehund  im Spital Männedorf