Weihnachtsgewürze für Leib und Seele

Die Tage werden kürzer, das Wetter kühler, die Stimmung damit oft getrübter und die Immunabwehr schwächer. Gut hilft uns die Weihnachtszeit mit den bunten Lichtern, dem feinen Essen und den weihnachtlichen Düften über diese trübe Jahreszeit hinweg. Dabei ist es kein Zufall, welche Gewürze in der kalten Jahreszeit bevorzugt werden.

Duften gut und tuen gut.

Die traditionellen Bestandteile des Lebkuchengewürzes wie Zimt, Nelke und Muskat sind nämlich nicht nur für unseren Gaumen und unsere Nasen „fein“.

Aufgrund der enthaltenden sekundären Pflanzenstoffe werden ihnen zusätzlich positive Wirkungen auf unsere Gesundheit zugesprochen.

 

  • Zimt als klassischstes aller Weihnachtsgewürze erlangt seine Wirkung und das Aroma vor allem durch den Inhaltsstoff Cumarin. Im Handel sind hauptsächlich zwei Arten erhältlich: der hochwertige Ceylonzimt aus Sri Lanka und der Cassiazimt aus China, wobei Cassiazimt einen höheren Cumaringehalt aufweist. Wegen dieses Inhaltsstoffs wird Zimt in der traditionellen chinesischen Medizin zur Behandlung von Husten und Heiserkeit eingesetzt. Zudem besitzt das Gewürz eine wärmende und verdauungsfördernde Wirkung. Damit macht sich eine Prise Zimt auch wunderbar in der Sauce eines üppigen Weihnachtsbratens.
    Bei diesem Wirkungsspektrum möchte man am liebsten an Zimtstangen knabbern. Jedoch Vorsicht: Ein regelmässiger und längerer Konsum grosser Mengen Zimt kann zu Verdauungsbeschwerden, Kopfschmerzen oder dermatologischen Problemen führen. Der als sicher geltende „Tolerable Upper Intake“ für Cumarin beträgt 0,1 mg pro kg Körpergewicht, was 6 mg für eine 60kg-schwere Person bedeutet. 6 mg sind etwa in 120g Zimtsternen enthalten. Wer auf Nummer sicher gehen möchte (z.B. in der Kinderernährung) kann Ceylonzimt verwenden, dessen Cumaringehalt niedriger ist.
  • Ob Hippokrates beim Satz „Allein die Dosis macht, ob ein Ding Gift ist“ an die Muskatnuss dachte ist unklar, aber wer wäre sicher zutreffend. Während der Konsum einiger Muskatnüsse tödlich sein kann, können kleine Mengen durch die Hemmung des Serotoninabbaus die Stimmung heben und entspannen. Diese Wirkung lässt sich auf die Aromastoffe Elemicin und Myristicin zurückführen, welche in der Leber zu Amphetaminen umgewandelt werden. Naturheilpraktiker nutzen Muskatnuss bei Rheuma, Muskelschmerzen und Schlafstörungen.
  • Bei Nelke denkt man in erster Linie wohl an den Einsatz in der Zahnmedizin. Dies lässt sich auf das enthaltende Eugenol zurückführen, welches eine lokal betäubende, schmerzstillende und desinfizierende Wirkung hat. Es kann auch bei Atemwegserkrankungen und rheumatischen Beschwerden helfen. Auf grössere Mengen Nelken verzichten sollten jedoch Schwangere, da die Uterusmuskulatur angeregt werden kann. Eine offizielle Höchstmenge ist hierbei jedoch nicht bekannt.
  • Vanille ist nicht nur in der Weihnachtszeit beliebt, wegen der “Vanillekipferln“ ist das Gewürz aber gerade hoch im Kurs. Vor allem der Geruch von Vanille soll das Gemüt erheitern und sogar Heisshunger dämpfen.


Was bei Ayurveda oder der traditionellen chinesischen Medizin schon Jahrtausende bekannt ist, gerät in der westlichen Medizin häufig in Vergessenheit. Zwar werden Zimt, Nelke und Co. keine Erkrankung heilen, jedoch können sie Symptome lindern, unser Wohlergehen fördern oder der Gesundheit vorbeugen. Und sollte es nichts nützten, so werden zumindest die Speisen geschmacklich aufgewertet.

Autorin
Karolin Rose, Ernährungsberaterin Spital Männedorf