Diese Überprüfung findet alle fünf Jahre statt und ist Voraussetzung für die offizielle Anerkennung als zertifizierte Intensivpflegestation.
Dabei konnte unsere IPS sämtliche Anforderungen der Intensivmedizin erneut ohne Einschränkungen erfüllen.
Doch was bedeutet diese Auszeichnung konkret? Und was zeichnet die IPS des Spitals Männedorf im Alltag aus?
Im Interview geben Dr. med. Karim Shaikh, Leiter Intensivmedizin und Franziska Rebentisch, Leiterin Pflege Intensivstation, Einblick in ihre Arbeit und erläutern die Hintergründe sowie die Bedeutung der Re-Zertifizierung.
Ihr behandelt auf der Intensivpflegestation mit sieben Betten schwerstkranke Patientinnen und Patienten und gewährleistet eine Betreuung rund um die Uhr. Worin unterscheidet sich die IPS am Spital Männedorf von grösseren Intensivpflegestationen?
Der Unterschied liegt vor allem in der Spezialisierung, dem Leistungsspektrum, der baulichen Struktur und der Komplexität der behandelten Fälle. Auf kleineren Intensivpflegestationen wie unserer werden häufig Patientinnen und Patienten aus der Inneren Medizin und Chirurgie betreut (beispielsweise Patienten mit schweren Infektionen und Organdysfunktionen oder Komplikationen nach einem operativen Eingriff). Grössere Intensivpflegestationen sind hingegen oft nach Fachgebieten organisiert, wie beispielsweise in Verbrennungs-, Kinder- oder neurochirurgische Intensivstationen.
Welchen Stellenwert hat die IPS innerhalb der Spitalorganisation?
Die Intensivpflegestation ist Dreh- und Angelpunkt eines kleinen Akutspitals und somit zentral für die Patientensicherheit und die Qualität der Notfall- und Akutversorgung. Die IPS ist die Schnittstelle zwischen Notfallstation, Innerer Medizin, Chirurgie und der Anästhesie. Wichtige Funktionen sind unter anderem: Stabilisierung und lebensrettende Versorgung von Patientinnen und Patienten in kritischen Krankheitsstadien, spezialisierte Betreuung, Überwachung und frühzeitiges Erkennen von Komplikationen. Die Ansprüche an Hygiene, Infektionsprävention und Schmerzmanagement sind folglich sehr hoch. Eine enge, interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Ärztinnen, Ärzten, Pflegefachpersonen sowie Therapeutinnen und Therapeuten ist unabdingbar. Durch die zentrale Rolle beeinflusst die Intensivpflegestation entscheidend die Patientensicherheit und Behandlungsqualität.
Welche speziellen Ausbildungen braucht man, um auf der IPS arbeiten zu können? Und was bietet das Spital Männedorf in diesem Bereich?
Dr. med. Karim Shaikh: Die Ausbildung zur Intensivmedizinerin/zum Intensivmediziner bedingt eine sechsjährige Facharztausbildung. Wir bieten Assistenzärztinnen und Assistenzärzten einen ersten Einblick via Rotation über mehrere Monate hinweg.
Franziska Rebentisch: Pflegerisch arbeiten vor allem Experten der Intensivpflege auf der IPS, ergänzt durch Diplomierte Pflegefachpersonen HF, FaGe-Personen und Pflege- assistentinnen und -assistenten. Dank der Re-Zertifizierung kann das Spital Fachpersonen in weiterführenden Studiengängen (NDS-Diplom) ausbilden. Ab Oktober 2026 wird bei uns eine neue Dipl. Pflegefachperson HF genau in dieser Ausbildung starten.
Was ist eure persönliche Motivation, um auf der IPS zu arbeiten?
Dr. med. Karim Shaikh: Mich fasziniert es, das Spektrum aller schulmedizinischen Behandlungsmöglichkeiten zu kennen und im Alltag für die Patientinnen und Patienten einzusetzen. Die Intensivmedizin hat Berührungspunkte mit allen Fachgebieten und die Vernetzung mit sämtlichen Kolleginnen und Kollegen ist von zentraler Bedeutung.
Franziska Rebentisch: Ich schätze die Arbeit mit den Patientinnen und Patienten sowie die Vielseitigkeit jeder Situation, da kein Fall dem anderen gleicht. Täglich ergeben sich neue Herausforderungen, für die ich gemeinsam mit dem Team passende Strategien entwickle. Eine weitere Motivation ist das Engagement und die Lernbereitschaft meines Teams. Wir zeigen grosses Interesse am Neuen: So haben wir ein neues Hämodialysegerät erhalten und darin Schulungen absolviert. Die Freude und Motivation dieses Gerät kennenzulernen und damit arbeiten zu können, war deutlich spürbar.
Unabhängig von Grösse und Spezialisierung gelten für Intensivpflegestationen hohe Qualitätsanforderungen. Die IPS am Spital Männedorf wurde kürzlich re-zertifiziert. Was bedeutet diese Re-Zertifizierung konkret und warum ist sie so wichtig?
Die Re-Zertifizierung bestätigt, dass wir hohe Standards in Patientensicherheit, Pflegequalität und Hygienemassnahmen dauerhaft erfüllen. Sie ist zugleich ein wichtiger Antrieb für kontinuierliche Verbesserungen, schafft Transparenz gegenüber Patientinnen, Patienten sowie Mitarbeitenden und stärkt das Vertrauen in unsere Behandlung. Auch die Standards für die Ausbildungsqualität junger Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegefachpersonen werden mit der Re-Zertifizierung eingehalten und überprüft.
Welche Leitwerte prägen den Zertifizierungsprozess?
Wir orientieren uns an zentralen Leitwerten wie Patientensicherheit, evidenzbasierter Pflegepraxis, hoher Fachkompetenz, Hygiene- und Infektionsprävention, einem offenen Fehlermanagement, guter Kommunikation im Team sowie einer patientenorientierten Versorgung. Diese Leitwerte spiegeln sich in unserer Dokumentation, in Schulungen und in den täglichen Abläufen wider.
Wie sieht so ein Re-Zertifizierungsprozess bei euch auf der IPS aus?
Der Prozess umfasst mehrere Schritte: Von der Vorbereitung über eine umfassende, Selbstbewertung bis hin zu externen Audits und der Umsetzung von Verbesserungsmassnahmen. Dabei prüfen wir unter anderem strukturierte Pflegepläne, die Qualität von Messungen und Dokumentationen, Hygieneprotokolle sowie unser Notfall- und Krisenmanagement.
Welche Rolle spielt das Team bei der Zertifizierung?
Die Mitarbeitenden sind der entscheidende Faktor. Regelmässige Schulungen, eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit, eine offene Fehlerkultur und gegenseitige Unterstützung sichern die hohe Qualität. Feedback aus dem Team fliesst unmittelbar in Verbesserungsprozesse ein.
Ein besonderer Dank gilt dem gesamten Team der Intensivpflegestation. Mit grossem Engagement, hoher Fachkompetenz und viel Menschlichkeit leisten diese Mitarbeitenden täglich einen unverzichtbaren Beitrag zur bestmöglichen Betreuung der Patientinnen und Patienten. Die erfolgreiche Re-Zertifizierung ist nicht zuletzt das Ergebnis dieser ausserordentlichen Teamleistung und verdient höchste Anerkennung.