Postoperative Wundinfektionen, also Infektionen, die nach einem chirurgischen Eingriff im Bereich der Operationswunde entstehen, gehören zu den häufigsten Komplikationen nach Operationen. Das Spital Männedorf schneidet beim Rating des nationalen Zentrums für Infektionsprävention Swissnoso seit Jahren überdurchschnittlich gut ab: Bei 138 Blinddarmoperationen im Jahr 2025 lag die Infektionsrate bei lediglich 1.0% verglichen mit einem Schweizer Durchschnitt von 2.3%.
Besonders bemerkenswert sind die Ergebnisse bei Dickdarmoperationen: Solche Eingriffe gelten aufgrund der natürlichen Darmflora als besonders infektionsgefährdet. Das Spital Männedorf hatte bei 83 Operationen im Jahr 2025 keine einzige Infektion zu verzeichnen, während der Schweizer Durchschnitt 2025 bei über 11% lag. Wir haben nachgefragt, was hinter diesen Zahlen steckt. Reint Burger, Leitender Arzt Viszeralchirurgie und Isabelle Furrer, Fachexpertin Infektionsprävention & Spitalhygiene am Spital Männedorf geben Auskunft.
Isabelle Furrer, wie läuft die Überwachung von Wundinfektionen nach Operationen am Spital Männedorf ab?
Bei jeder Visite beobachten Ärztinnen, Ärzte und Pflegepersonal genau, wie die Wundheilung verläuft. Treten Komplikationen auf, steht im Spital ein spezialisiertes Team bereit, das sogenannte Wundambulatorium. Dieses verfügt über grosses Fachwissen, um sich gezielt um solche Fälle zu kümmern.
Wie genau funktioniert das Monitoring durch Swissnoso?
Swissnoso erfasst bei uns die Infektionsraten nach Blinddarm- und Dickdarmoperationen. Dazu werden alle Patientinnen und Patienten während 30 Tagen nach ihrer Operation begleitet. Relevante Daten werden anonymisiert erfasst. Nach 30 Tagen folgt ein kurzes Telefongespräch, bei dem gezielt nach der allgemeinen Erholung und der Wundheilung gefragt wird. Gibt es Hinweise auf eine Wundinfektion, wird diese genauer abgeklärt und nach Schweregrad eingestuft. Alle zwei bis drei Jahre überprüft Swissnoso zudem die Qualität dieser Erfassung direkt vor Ort. Ich bin am Spital Männedorf als Fachexpertin dafür verantwortlich. Aus den gesammelten Daten werden dann konkrete Massnahmen abgeleitet, die allen Patientinnen und Patienten zugutekommen.
Welche Massnahmen tragen am meisten dazu bei, Wundinfektionen zu verhindern?
Es ist ein Zusammenspiel von mehreren Massnahmen. Am wichtigsten sind aufeinander abgestimmte Abläufe im Operationsbereich, die gezielte Gabe von Antibiotika kurz vor dem Operationsbeginn sowie das konsequente Einhalten der Hygienestandards während des gesamten Eingriffs.
Seit fünf Jahren liegt das Spital Männedorf bei den Infektionsraten nach Blinddarm- und Dickdarmoperationen unter dem Schweizer Durchschnitt. Wie hat das Spital Männedorf diese guten Werte erreicht?
Wundinfektionen werden von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Manche davon, etwa chronische Vorerkrankungen der Patientin oder des Patienten, können wir als Spital nur bedingt beeinflussen. Andere Faktoren liegen jedoch klar in unserer Hand: die Wahl und den Zeitpunkt der Antibiotika-Gabe, die Operationstechnik und -dauer sowie die Körpertemperatur der Patientinnen und Patienten während des Eingriffs. Um diese Risiken so gering wie möglich zu halten und die Qualität zu sichern, finden regelmässige Auswertungen im Team statt. So können Abweichungen vom Standard rasch erkannt und korrigiert werden.
Reint Burger, wie arbeiten Infektionsprävention und Chirurgie beim Thema Wundinfektionen zusammen?
Dreimal pro Jahr lädt Isabelle Furrer alle Vertreterinnen und Vertreter aller Fachdisziplinen (Chirurgie, Innere Medizin, Gynäkologie und Anästhesie) zu einer gemeinsamen Sitzung ein. Sie präsentiert die aktuellen Zahlen und bespricht konkrete Fälle, bei denen Standards nicht eingehalten wurden. Daraus werden Verbesserungsmassnahmen abgeleitet, die anschliessend in den einzelnen Bereichen umgesetzt werden.
Ich denke diese regelmässigen Rückmeldungen und hartnäckige Kritik sind entscheidend, um den Standard hochzuhalten.
Blinddarm- und Dickdarmoperationen gelten als besonders anfällig für Wundinfektionen. Worauf achten Sie und Ihr Team im Operationssaal, um das Risiko zu minimieren?
Alle Beteiligten im Operationssaal müssen äusserst sorgfältig auf Sterilität achten. Besonders heikel sind die Momente, in denen der Darm geöffnet wird – was bei einer Dickdarmoperation unvermeidlich ist. Nach dieser Phase müssen Handschuhe und Instrumente zwingend gewechselt werden. Wie Isabelle Furrer bereits erwähnt hat, ist auch die Antibiotika-Gabe kurz vor dem Operationsbeginn entscheidend.
Ein weiterer wichtiger Faktor für unsere tiefen Infektionsraten bei Dickdarmoperationen ist die Vorbereitung der Patientinnen und Patienten: Seit einigen Jahren reinigen wir den Darm vor dem Eingriff vollständig, ähnlich wie bei einer Darmspiegelung, und verabreichen zusätzlich 24 Stunden vor der Operation Antibiotika. Dieses Vorgehen ist nicht selbstverständlich und setzt sich in der Chirurgie erst langsam wieder durch.
Was möchten Sie Menschen mitgeben, die eine Blinddarm- oder Dickdarmoperation vor sich haben und sich Sorgen machen?
Komplikationen lassen sich leider nie vollständig ausschliessen. Aber die Zahlen zeigen: Bei uns sind sie in guten Händen. Ebenso wichtig ist, dass unsere Patientinnen und Patienten vor dem Eingriff umfassend über mögliche Risiken und alternative Behandlungsmöglichkeiten informiert werden. So können sie optimal vorbereitet und mit einem guten Gefühl in die Operation gehen.