15.7.2022

Künstlicher Darmausgang – was bedeutet das für meinen Alltag?

Viele Menschen haben Angst vor dem Leben mit einem Stoma. Im Interview zeigt Dr. med. Reint Burger auf, wie Betroffene damit umgehen können und teilt wichtige Informationen.


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Bildlegende: Dr. med. Reint Burger, Leitender Arzt Viszeralchirurgie und Esther Eichenberger, Leiterin Wund- und Stomaberatung

Gewisse Krankheiten und damit verbundene chirurgische Eingriffe können dazu führen, dass der Stuhlgang nicht mehr auf normalem Weg möglich ist und ein künstlicher Darmausgang nötig ist. Ein sogenanntes Stoma ist für die Betroffenen oft ein grosser Einschnitt und viele Patientinnen und Patienten haben grosse Angst davor. Dr. med. Reint Burger, Leitender Arzt der Bauchchirurgie, hat schon viele Patientinnen und Patienten auf diesem Weg begleitet und rät allen Betroffenen: Löchern Sie die Fachpersonen mit so vielen Fragen wie möglich! Denn es ist wichtig, die Ängste im Zusammenhang mit dem Stoma zu thematisieren und brennende Fragen zu klären.

Was muss ich mir genau unter einem künstlichen Darmausgang vorstellen?
Bei einem Stoma wird der Dick- oder Dünndarm durch die Bauchdecke nach aussen geleitet. Die Stuhlentleerung erfolgt danach über diesen Weg. Wichtig zu wissen ist, dass es sich dabei meist um eine vorübergehende Lösung handelt, welche wieder rückgängig gemacht werden kann.

Wann braucht man einen künstlichen Darmausgang?
Die vorübergehende oder selten auch definitive Anlage eines künstlichen Darmausganges kann notwendig sein bei einem Enddarmkrebs. Dies weil der Krebs bereits den Schliessmuskel befallen hat oder weil der Eingriff sehr nahe am Schliessmuskel durchgeführt werden muss.
Ein Stoma kann aber auch bei einem schweren Verlauf der Divertikelkrankheit nötig sein. Dann wenn ein Divertikel so schwer entzündet ist, dass es platzt. Dies führt zu einer massiven Verschmutzung der Bauchhöhle und kann zu einer Blutvergiftung führen. In solch einer lebensgefährlichen Situation muss im Rahmen einer Notfalloperation der betroffene Darmabschnitt entfernt und die Bauchhöhle gespült werden. Dann muss vorübergehend ein künstlicher Darmausgang angelegt werden.

Wie bereiten Sie Patientinnen und Patienten auf ein Stoma vor?
In der Notfallsituation bleibt leider keine Zeit sich mit einem allfälligen Stoma «anzufreunden». Wenn es aber absehbar ist und der Eingriff in Ruhe in den nächsten Tagen geplant werden kann, dann bieten wir unseren Patienten neben Aufklärungsunterlagen auch Termine bei unseren Kolleginnen der Wund- und Stomaberatung an. Sie haben jahrelange Erfahrung in der Betreuung von Stomapatienten. Sie werden auch mit dem Patienten zusammen herausfinden, an welcher Stelle des Bauches das Stoma am besten angelegt wird. Dies ist für die spätere Pflege des Stomas entscheidend.

Was muss ein Patient darüber wissen?
So viel wie möglich! Es gibt so viele Ängste, wenn es um das Thema Stoma geht. Deshalb ermuntere ich allen Patientinnen und Patienten, die Fachleute mit Fragen zu löchern! Viele gute Informationen finden sich dazu auch auf der Webseite der Krebsliga.

Und wichtig ist, wie bereits erwähnt, dass in den meisten Fällen ein Stoma gar nicht notwendig ist und wenn doch, dann meist nur vorübergehend angelegt werden muss.

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